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Schweizer Wohnungsmarkt 2026: Knappheit bleibt trotz Bauwende

Der neue BWO-Bericht zeigt: Die Leerwohnungsquote dürfte 2026 weiter sinken. Was knapper Wohnraum, tiefe Zinsen und steigende Preise jetzt bedeuten.

Einordnung

Publiziert von Matthias H. Römer. Quellen und Informationsstand werden im Beitrag ausgewiesen.

Immobilien-News

Aktuelle Einordnung zum Schweizer Wohnungsmarkt; keine objektbezogene Immobilien-, Finanz-, Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung.

Der Schweizer Wohnungsmarkt 2026 bleibt angespannt. Das Bundesamt für Wohnungswesen erwartet trotz einer leichten Belebung bei Baugesuchen und Baubewilligungen eine weiter sinkende Leerwohnungsquote. Gleichzeitig stützen tiefe Zinsen die Nachfrage nach Wohneigentum. Für Mieter, Käufer, Eigentümer und Investoren bedeutet das: Der nationale Trend ist wichtig – entschieden wird aber auf Ebene von Lage, Objektqualität, Finanzierung und Nutzungspotenzial.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Angebot und die Nachfrage nach Wohnraum driften gemäss dem aktuellen Marktüberblick des Bundes weiterhin auseinander.
  • Die Neubauproduktion fiel von gut 53’000 Wohnungen im Jahr 2018 auf knapp 40’000 Einheiten im Jahr 2024.
  • Baugesuche und Baubewilligungen zeigen inzwischen nach oben. Eine spürbare Erholung der Produktion erwartet das BWO jedoch frühestens ab 2027.
  • Die Leerwohnungsquote sank bis 2025 auf 1,00 Prozent und dürfte 2026 nochmals leicht zurückgehen.
  • Angebotsmieten und Wohneigentumspreise bleiben unter Aufwärtsdruck; Eigentumswohnungen verteuerten sich in den jüngsten BWO-Daten stärker als Einfamilienhäuser.

Der Schweizer Wohnungsmarkt 2026 bleibt im Ungleichgewicht

Der am 25. August 2026 publizierte Bericht «Der Wohnungsmarkt auf einen Blick III/2026» des Bundesamts für Wohnungswesen zeichnet ein differenziertes, aber klares Bild: Die konjunkturellen Aussichten sind durchzogen, die Nachfrage nach Wohnraum bleibt jedoch hoch. Das Angebot kann damit weiterhin nicht Schritt halten.

Daran ändert auch das etwas schwächere Bevölkerungswachstum wenig. Die Bevölkerung wuchs 2025 gemäss BWO um 0,8 Prozent, nach 1,0 Prozent im Jahr 2024. Gleichzeitig dürfte die Zahl der Haushalte längerfristig stärker steigen als die Bevölkerung. Kleinere Haushalte, die Alterung und veränderte Wohnbedürfnisse erhöhen den Flächenbedarf selbst dann, wenn sich die reine Bevölkerungsdynamik abschwächt.

Die Folge ist eine anhaltende Knappheit, die regional sehr unterschiedlich ausgeprägt ist. Bereits für 2025 wies das BWO Leerwohnungsquoten von lediglich 0,34 Prozent in Genf, 0,42 Prozent in Zug und 0,48 Prozent in Zürich aus. Jura lag dagegen bei 3,03 Prozent und Solothurn bei 2,05 Prozent. Ein Schweizer Durchschnittswert beschreibt deshalb nie automatisch die Situation eines konkreten Standorts.

Wohnungsbau: Der untere Wendepunkt scheint erreicht

Auf der Angebotsseite gibt es erste positive Signale. Nachdem 2018 noch gut 53’000 Wohnungen erstellt wurden, sank die Neubauproduktion bis 2023 auf rund 46’700 Einheiten. 2024 folgte ein deutlicher Rückgang auf knapp 40’000 Wohnungen. Seither haben sich die erteilten Baubewilligungen leicht erholt; bei den Baugesuchen beobachtet das BWO seit Ende 2025 eine merklich stärkere Dynamik.

Das ist eine wichtige Trendwende, aber noch keine Entwarnung. Zwischen Baugesuch, Bewilligung, Finanzierung, Realisierung und Bezug liegen oft mehrere Jahre. Zudem können Einsprachen, hohe Landpreise, komplexe Planungsverfahren und Anforderungen an Energie, Lärmschutz oder Verdichtung Projekte verzögern. Selbst wenn die Produktion ab 2027 wieder wächst, dürfte sie gemäss BWO bei weiterhin hoher Nachfrage nicht ausreichen, um die Wohnraumversorgung rasch zu entspannen.

Für Projektentwickler und Grundeigentümer gewinnt damit die frühe Machbarkeitsprüfung an Bedeutung. Nutzungskonzept, baurechtliche Reserven, Etappierung, Finanzierung und spätere Bewirtschaftung sollten nicht nacheinander, sondern gemeinsam beurteilt werden. Entscheidend ist nicht nur, ob gebaut werden kann, sondern ob das geplante Produkt am konkreten Standort tatsächlich nachgefragt und langfristig wirtschaftlich betrieben werden kann.

Mieten und Wohneigentumspreise unter weiterem Aufwärtsdruck

Die jüngsten im BWO-Bericht zusammengeführten Preisindikatoren zeigen weiterhin steigende Werte. Bei den Angebotsmieten erhöhte sich die ausgewiesene Veränderungsrate vom ersten zum zweiten Quartal 2026 von 0,9 auf 1,2 Prozent. Beim Wohnimmobilienpreisindex lag die Veränderung gegenüber dem Vorjahr im zweiten Quartal bei 4,2 Prozent für Eigentumswohnungen und bei 2,7 Prozent für Einfamilienhäuser.

Diese Zahlen sind keine Prognose für jedes einzelne Objekt. In einem knappen Markt können sich Neubauten, sanierte Bestandesobjekte und ältere Liegenschaften mit Investitionsbedarf völlig unterschiedlich entwickeln. Ebenso verändern Erreichbarkeit, Steuerbelastung, Schulen, Lärm, Aussicht, Energiezustand und lokale Bautätigkeit die Zahlungsbereitschaft. Wer den Wert einer Immobilie beurteilen will, sollte deshalb Transaktionsdaten und Angebotsdaten von vergleichbaren Objekten mit der konkreten Mikrolage und dem technischen Zustand verbinden.

Vertiefend dazu erklärt der Beitrag «Immobilienpreise Schweiz 2026», weshalb ein nationaler Durchschnitt für eine Kauf-, Verkaufs- oder Investitionsentscheidung allein nicht genügt.

Tiefe Zinsen stützen die Nachfrage – Risiken bleiben

Auf der Finanzierungsseite wirkt das tiefe Zinsumfeld weiter unterstützend. Das BWO weist für neu abgeschlossene variable Hypotheken im Juni 2026 einen durchschnittlichen Zinssatz von 2,79 Prozent aus. SARON-Hypotheken befinden sich nach den Leitzinssenkungen der vergangenen Jahre wieder auf tiefem Niveau; bei langfristigen Zinsen erwartet das Amt kurzfristig wenig Bewegung.

Die Schweizerische Nationalbank mahnt dennoch zu einem nüchternen Blick auf die Finanzstabilität. In einem Referat vom 26. August 2026 erinnerte SNB-Vizepräsident Antoine Martin daran, dass tiefe Zinsen, knapper Wohnraum und hohe Nachfrage bereits früher zu steigenden Immobilienbewertungen und wachsenden Verwundbarkeiten am Hypothekarmarkt geführt haben. Der sektorielle antizyklische Kapitalpuffer liegt derzeit bei seinem gesetzlichen Maximum von 2,5 Prozent. Eine aktuelle Erhöhung sei nach Einschätzung der SNB zwar nicht angezeigt; die Risiken müssten aber beobachtet werden.

Für Käufer heisst das: Eine günstige aktuelle Finanzierung ist noch keine langfristige Tragbarkeit. Kaufpreis, Eigenmittel, Amortisation, Unterhalt, Nebenkosten und ein höheres Zinsniveau im Erneuerungszeitpunkt gehören in dieselbe Rechnung. Eine praktische Übersicht bietet der Ratgeber «Hypothek Schweiz 2026: Eigenkapital und Tragbarkeit».

Was die neue Marktlage für Eigentümer, Käufer und Investoren bedeutet

Für Eigentümer

Ein knappes Angebot stärkt grundsätzlich die Position gut gelegener und marktgerechter Immobilien. Trotzdem ist ein steigender Gesamtmarkt kein Ersatz für eine Objektanalyse. Vor einem Verkauf, einer Sanierung oder einer Nachfinanzierung sollten Eigentümer prüfen, welche Investitionen den Wert tatsächlich erhöhen, welche Risiken im Gebäude bestehen und wie sich eine alternative Nutzung auf Ertrag und Vermarktbarkeit auswirkt.

Für Käufer

Zeitdruck ist in angespannten Teilmärkten ein schlechter Ratgeber. Eine belastbare Entscheidung braucht einen Vergleich der Mikrolage, eine technische Prüfung, transparente Unterlagen und eine Finanzierung mit Reserven. Bei Stockwerkeigentum gehören zusätzlich der Erneuerungsfonds, Protokolle, Reglemente und anstehende Arbeiten am Gemeinschaftseigentum auf den Tisch. Dazu passt die aktuelle Einordnung zur Reform des Stockwerkeigentumsrechts.

Für Investoren und Projektentwickler

Knappheit reduziert das Vermietungsrisiko nicht automatisch auf null. Gefragt sind realistische Annahmen zu Zielgruppe, Marktmiete, Leerstand, Betriebskosten, Instandhaltung und späteren Investitionen. Bei Entwicklungsprojekten entscheidet zudem die Zeitachse: Ein Projekt, das heute eingereicht wird, trifft bei Fertigstellung auf einen anderen Zins-, Kosten- und Nachfragerahmen. Szenarien sind deshalb wichtiger als eine einzelne Renditeziffer.

Einordnung von OWNY

Der aktuelle BWO-Bericht bestätigt keinen flächendeckenden «Boom», sondern ein strukturelles Ungleichgewicht mit grossen regionalen Unterschieden. Die Bauaktivität stabilisiert sich, reagiert aber mit erheblicher Verzögerung. Gleichzeitig unterstützen tiefe Zinsen die Nachfrage und können die Preise in knappen Teilmärkten weiter antreiben.

Für Matthias H. Römer liegt die zentrale Konsequenz in der gesamtheitlichen Prüfung: Standort, Nutzung, technische Qualität, Finanzierung, Steuern, Betrieb und langfristige Wertentwicklung müssen zusammenpassen. Wer nur auf den Schweizer Durchschnitt oder den aktuellen Hypothekarzins schaut, blendet genau jene Faktoren aus, die den Erfolg einer konkreten Immobilientransaktion bestimmen.

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