Immobilien-News
Wohnungsangebot und Immobilienentscheidungen · Illustratives Titelbild
Weniger leer stehende Wohnungen, aber kein einheitlicher Markt: Die neue BFS-Zählung zeigt, weshalb Eigentümer und Käufer nationale Schlagzeilen mit lokalen Daten abgleichen sollten. OWNY.CH ordnet die gestern veröffentlichten Ergebnisse ein.
Die neuen Zahlen: Der verfügbare Bestand wird kleiner
Das Bundesamt für Statistik hat am 10. September die Leerwohnungszählung 2026 veröffentlicht. Am Stichtag 1. Juni waren 45’493 Wohnungen leer, entsprechend 0,93 Prozent des Wohnungsbestands. Ein Jahr zuvor lag die Quote bei 1,00 Prozent. Der Rückgang setzt sich damit zum sechsten Mal in Folge fort. Zürich verzeichnete dagegen einen leichten Anstieg auf 0,52 Prozent. Zug lag bei 0,20 Prozent. Die Ergebnisse betreffen eine Bestandsaufnahme im Juni, keine laufende September-Erhebung.
Was die Leerwohnungsziffer tatsächlich misst
Gezählt werden bewohnbare, unbesetzte Wohnungen, die für eine Dauermiete von mindestens drei Monaten oder zum Kauf angeboten werden. Auch geeignete Ferien- und Zweitwohnungen können darunterfallen. Die Quote setzt diese Leerwohnungen ins Verhältnis zum Wohnungsbestand des Vorjahres. Sie ist deshalb ein bestimmter statistischer Blick auf das Angebot und kein vollständiges Abbild sämtlicher verfügbarer Immobilien.
Ein Inserat kann beispielsweise eine noch bewohnte Wohnung mit späterem Übergabetermin betreffen. Umgekehrt ist ein ungenutztes Gebäude nicht zwingend als vermietbare Wohnung auf dem Markt. Für einen Kaufentscheid reicht es deshalb nicht, sämtliche Online-Angebote gedanklich mit dem ausgewiesenen Leerstand gleichzusetzen. Wichtig sind zusätzlich Bezugstermin, Zustand, Nutzung und der konkrete Teilmarkt.
Zürich: Eine leichte Bewegung ist noch keine Entspannung für jedes Objekt
Gerade im Raum Zürich lohnt sich eine differenzierte Betrachtung. Ein Anstieg des kantonalen Leerstands kann mit zusätzlichen Angeboten zusammenhängen, sagt allein aber nichts über das passende Angebot für eine einzelne Familie oder einen bestimmten Investor aus. Eine Gemeinde, ein Quartier und ein Preissegment können sich anders entwickeln als der Kanton insgesamt. Aus der Statistik lässt sich insbesondere keine Aussage über die Vermarktungsdauer einer konkreten Wohnung ableiten.
Für die lokale Analyse sollten Suchende vergleichbare Objekte über einen gewissen Zeitraum verfolgen: Welche bleiben verfügbar? Wo ändern sich Angebotspreise? Welche Grundrisse, Lagen und Zustände werden angeboten? Solche Beobachtungen ersetzen keine Transaktionsdaten, ergänzen sie aber sinnvoll. Der Ratgeber zur Maklerwahl und zum Immobilienverkauf in Zürich erläutert, wie lokale Marktkenntnis in einen belastbaren Verkaufsprozess übersetzt wird.
Eigentümer: Gute Vorbereitung bleibt ein Wettbewerbsvorteil
Wer eine Immobilie vermietet oder verkauft, sollte aus einem knappen Gesamtmarkt keine Erfolgsgarantie ableiten. Entscheidend ist, ob das Objekt zur Nachfrage am Standort passt. Dazu gehören Wohnungsgrösse, Erreichbarkeit, Energiezustand, Preispositionierung und ein verständliches Dossier. Interessenten müssen erkennen können, was angeboten wird und welche Aufwendungen nach dem Bezug zu erwarten sind.
Praktisch bedeutet dies: Pläne, Flächenangaben, Unterhaltsunterlagen und bekannte Einschränkungen vor dem Marktstart zusammenführen. Widersprüche im Exposé schaffen zusätzliche Rückfragen. Auch die Organisation von Besichtigungen und die zeitnahe Beantwortung fachlicher Fragen beeinflussen den Ablauf. Ein sorgfältig vorbereitetes Objekt lässt sich besser vergleichen; einen bestimmten Preis oder Abschlusszeitpunkt verspricht das dennoch nicht.
Käufer: Knappheit darf die Prüfung nicht ersetzen
Ein enges Angebot kann das Gefühl erzeugen, bei jeder Gelegenheit sofort zusagen zu müssen. Gerade dann hilft eine vorab festgelegte Entscheidungsliste. Neben Kaufpreis und Eigenmitteln gehören notwendige Erneuerungen, laufende Kosten, Finanzierung und persönliche Reserve in die Rechnung. Ein Objekt ist nicht allein deshalb passend, weil vergleichbare Angebote selten erscheinen.
Bei Stockwerkeigentum sind zudem gemeinschaftliche Investitionen und bereits diskutierte Arbeiten relevant. Protokolle und Budget zeigen, welche Themen die Gemeinschaft beschäftigen. Bei einem Haus verdienen Dach, Gebäudehülle, Haustechnik und rechtliche Verhältnisse Aufmerksamkeit. Der allgemeine Marktindikator beantwortet keine dieser Fragen. Offene Punkte sollten vor einer verbindlichen Entscheidung geklärt oder als Unsicherheit ausdrücklich berücksichtigt werden.
Investoren: Das Leerstandsrisiko gehört weiterhin in die Rechnung
Eine landesweite Quote ist kein geeigneter Ersatz für die Annahmen einer Objektkalkulation. Vermietbarkeit hängt auch von Zielgruppe, Qualität, Konkurrenzangebot und Mietpreis ab. Selbst in einem nachfragestarken Umfeld können Umbauten, Mieterwechsel oder eine unpassende Positionierung zu Ertragsausfällen führen. Ein nachhaltiger Cashflow berücksichtigt deshalb mehr als den heutigen Vollvermietungszustand.
Für eine nachvollziehbare Prüfung bieten sich mindestens drei Szenarien an: der erwartete Betrieb, eine verzögerte Wiedervermietung und zusätzliche Investitionen. Entscheidend ist, ob die Finanzierung bei einem weniger günstigen Verlauf tragbar bleibt. Im Beitrag zur Rendite und zum Cashflow von Anlageimmobilien wird diese Trennung zwischen Bruttoertrag, laufenden Aufwendungen und tatsächlich verfügbarem Überschuss vertieft.
Von der Marktzahl zum konkreten Entscheid
Die redaktionelle Einordnung von OWNY.CH lautet: Ein knapper Markt erhöht den Wert einer guten Entscheidungsgrundlage. Er macht sie nicht überflüssig. Vor einer Transaktion oder Investition sollte die nationale Entwicklung deshalb in drei Schritten auf das Objekt heruntergebrochen werden.
- Den Vergleichsmarkt eingrenzen: Gemeinde, Wohnungsart, Grösse, Zustand und Preisbereich festlegen.
- Das Objekt dokumentieren: Stärken, Einschränkungen, Investitionsbedarf und offene Fragen nachvollziehbar erfassen.
- Die Wirtschaftlichkeit prüfen: Finanzierung, Betrieb, Reserven und einen weniger günstigen Verlauf gemeinsam betrachten.
Eine kurze schriftliche Entscheidungsnotiz hilft, Annahmen und bestätigte Informationen auseinanderzuhalten. Darin kann stehen, welche Vergleichsdaten vorliegen, welche Kosten geschätzt sind und wer fehlende Unterlagen beschafft. Das erleichtert auch die Zusammenarbeit zwischen Eigentümerschaft, Makler, Bank und technischen Fachpersonen. Die neue Leerstandszahl liefert den Anlass, diese Grundlage zu aktualisieren; den objektspezifischen Entscheid nimmt sie niemandem ab.
Häufige Fragen zur Leerwohnungszählung
Bedeutet weniger Leerstand automatisch steigende Verkaufspreise?
Nein. Die Statistik misst keine erzielten Verkaufspreise. Finanzierung, Objektqualität und die Nachfrage im jeweiligen Segment müssen zusätzlich beurteilt werden.
Kann ich die Schweizer Quote für mein Mehrfamilienhaus übernehmen?
Das wäre zu pauschal. Für eine Kalkulation braucht es eine begründete Annahme zur eigenen Lage, Zielgruppe und Vermietungssituation sowie Reserven für Veränderungen.
Ist die neue Zahl bereits eine Septemberaufnahme?
Nein. Veröffentlichungsdatum und statistischer Stichtag sind zu unterscheiden. Die aktuelle Medienmitteilung berichtet über die Erhebung vom 1. Juni.
Quellen und Informationsstand
- BFS-Medienmitteilung zur Leerwohnungszählung, veröffentlicht am 10. September 2026
- BFS: Definitionen und interaktive Ergebnisse der Leerwohnungszählung
Informationsstand: 11. September 2026. Die Handlungshinweise sind die redaktionelle Einordnung von OWNY.CH. Allgemeine Information; keine individuelle Immobilien-, Finanz-, Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung.
Ergänzend zum Angebot lohnt sich ein Blick auf die Käuferseite: Unsere Einordnung der SECO-Konsumentenstimmung erklärt, weshalb wirtschaftliche Zuversicht und private Kaufbereitschaft getrennt betrachtet werden sollten.